Grünpressung "Andrea" aus Westsizilien

Die Reise begann...

... bereits im Jahr 2021 mit einer ARTE „Zu Tisch“-Doku, die ich zufällig im Fernsehen gesehen hatte. Sie erzählte von den beiden sympathischen Brüdern Andrea & Salvatore aus Westsizilien, die vor ein paar Jahren begannen, sich mit ganzem Herzen und viel Liebe dem brachliegenden Olivenhain ihrer Nonna zu widmen. Andrea traf damit eine Lebensentscheidung, hat seinen Beruf als Staatsanwalt an den Nagel gehängt, dafür die Ärmel hochgekrempelt, seinen Anzug gegen Arbeitsgewand getauscht und, wie ich später von ihm erfahren habe, diese Entscheidung bis heute niemals bereut…

Neugierig auf die Brüder und ihr tolles Olivenöl, das sich als sehr seltene, leckere und wahnsinnig gesunde Grünpressung herausstellte (was genau eine Grünpressung charakterisiert, erkläre ich euch ein bisschen weiter unten), kontaktierte ich ARTE, dann die Regisseurin des Films und am Ende hatte ich dann Andrea das erste Mal am Telefon. Und da man mit Italienern am besten Dinge bei einem gemeinsamen Essen und einem Gläschen Wein bespricht, haben wir beschlossen, uns bald zu treffen.


Fest entschlossen machte ich mich im Jänner mit dem Auto auf zu einem Road Trip nach Sizilien. Andrea und Salvatore haben mich herzlich empfangen. Es folgten einige Barbesuche auf der Dorfpiazza und lange Gespräche. Andrea und ich verbrachten auch viel Zeit auf seinem paradiesischen Stück Land, das Zuhause seiner knapp 1000, teils schon sehr alten Olivenbäume, das sich über eine Fläche von 8 Hektar im wunderhübschen Bergland von Trapani erstreckt. Mit viel Liebe und Respekt zu ihrem Land und den Bäumen widmen sich Andrea und Salvatore der Produktion ihres Olivenöls, was man augenblicklich schmeckt, hat man es einmal probiert…

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Was befindet sich denn genau in Eurer Flasche und wo kommt es her?

Sizilien ist ein wahres Paradies für Naturfreunde. Die Insel vereint auf kleinstem Raum eine beeindruckende Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Das liegt vor allem an den klimatischen Verhältnissen, die dort herrschen, aber natürlich ist diese Artenvielfalt auch sehr eng mit der Geschichte Siziliens verwoben, die durch die Einflüsse der verschiedensten Kulturen geprägt ist. Besonders faszinierend sind die Olivenbäume, die das Landschaftsbild Siziliens prägen und schon seit Jahrtausenden ein Symbol für das Land sind. Die mediterrane Sonne und das milde Klima bieten den perfekten Nährboden für die unterschiedlichen Olivensorten, die hier gedeihen. In ganz Italien spricht man von ungefähr 750 verschiedenen Olivensorten, wovon sich alleine etwa 250 auf Sizilien befinden.

Olivenbäume sind auf Sizilien nicht nur ein wirtschaftlicher Faktor, sondern auch ein Teil der Seele der Insel. Sie stehen für Beständigkeit, für das Leben und für das einfache, aber wertvolle. Wer einmal durch
die Olivenhaine spaziert ist, versteht schnell, warum Sizilien so viele Menschen verzaubert: Die Bäume, ihre Geschichte und der Duft des frischen Olivenöls sind schlichtweg unwiderstehlich.


Die „Nocellara del Belice“ ist vielleicht die bekannteste Sorte, die für ihre fruchtigen und gleichzeitig würzigen Aromen geschätzt wird. Die „Cerasuola“ mit ihren kräftigen, grünen Früchten ist eine weitere Spezialität, die man in vielen sizilianischen Olivenölen wiederfindet. Beide Sorten weisen einen hohen Polyphenolgehalt auf, der dieses Öl so gesund macht.

Auf perfekte Weise verbinden sich die beiden in Eurem Olivenöl!


Unser Olivenöl ist biozertifiziert!

Die fruchtig elegante Signora aus Umbrien

Wie das Leben manchmal so spielt…eigentlich wollte ich zu Jahresende nur ein paar ruhige Tage in einem umbrischen Dorf verbringen und mit ein paar Italienern in einer kleinen Osteria ins neue Jahr plumpsen…das Resultat ist eine tolle neue umbrische Biopressung von einem richtig sympathischen Produzenten namens Marco Federici!

Marco ist der Schwager von Monica, meiner Vermieterin…ich erzählte ihr von meiner Liebe zum Olivenöl und sie mir dafür von ihrem Schwager Marco. Keine 2 Tage später durfte ich Marco in seiner Ölmühle besuchen. Ein Bild von Padre Pio und der Madonna versprachen Gutes 😉

Über Olivenöl lernt man wirklich nie aus und so erfuhr ich von Marco viele neue interessante Dinge rum um die Olivenölpressungen in Umbrien und deren lange Tradition. Nach einer Ausfahrt in seine Olivenhaine und einigen Stunden Plauderei wurde Freundschaft geschlossen…

Die umbrische Schwester des Sizilianers…

Im Gegensatz zum „Sizilianischen Charakterkopf“ von Andrea mit seinem intensiven, grasigen, kräftigen Geschmack, vielen Bitternoten und Aromen ist „die fruchtig elegante Signora“ aus Umbrien zurückhaltender in ihrer Intensität, dafür samtig elegant und fruchtig frisch, mit einem leicht scharfen Abgang, der den wichtigen hohen Polyphenolgehalt verrät. Vor allem perfekt für jene unter euch, denen der „Sizilianische Charakterkopf“ ein wenig zu intensiv ist…

Nettare Agata passt also gut zu eher milderen Speisen wie Fisch, Gemüse, Salaten und Hülsenfrüchten, denn frei nach meinem neapolitanischen Freund Dario, der in Wien eine Kochschule betreibt, sollte man mindestens 2 verschiedene Olivenöle zuhause haben, um für unterschiedliche Speisen auch immer das richtige Olivenöl parat zu haben.

Die perfekte Hochzeit also zwischen Sizilien und Umbrien… 😉

Und hier noch ein paar Infos für euch zur „fruchtig eleganten Signora“ aus Umbrien

Produzent: Marco Federici Gebiet: Olivenölgürtel um Assisi, Umbrien

Sorten: Moraiolo, Frantoio, Leccino Die Sorte Moraiolo, die in in diesem Öl hauptsächlich verarbeitet wird, ist typisch für diese kleine Region, man findet sie sonst nirgendwo anders in Italien und sie gibt dem Öl sein unverwechselbares Aroma.

Charakter: tiefgrüngelbe Farbe mit ausgeprägten bitteren und würzigen Noten aufgrund des sehr hohen Polyphenolgehaltes begleitet von einem sanften und vollmundig fruchtigen Akzent mit Aromen aus Artischocke, Kräutern und grüner Mandel. Dieses Öl ist ebenfalls eine Frühpressung, wird im Oktober von Hand in den Olivenhainen der Familie geerntet und täglich direkt nach der Ernte kaltgepresst.

Eine nicht unwichtige Randnotiz zum Namen des Öles möchte ich euch nicht vorenthalten…

Es trägt den Namen seiner Mutter Agata und zwar aus gutem Grund. Marco sagte mir dazu entschlossen, dass ein Olivenöl eigentlich immer den Namen der Mutter tragen muss, weil am Ende sie es ist, die entscheidet, ob ein Öl den Weg in die Küche findet oder nicht 😉

„Nettare Agata è dedicata a mia mamma, il faro della nostra grande e numerosa famiglia.“
„Nettare Agata ist meiner Mutter gewidmet, dem Leuchtturm unserer großen und zahlreichen Familie.“

Marco Federici

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Was ist eine Grünpressung?

Die Grünpressung hat seine Wurzeln in den Dörfern, die sich in den Hügel und nicht am Meer befinden. Für die Bauern war es damals wichtig, die Olivenölernte sicher einbringen zu können, da es sich bei Olivenöl, vor allem in den südlichen Regionen, immer schon um ein Grundnahrungsmittel mit enormer Wichtigkeit gehandelt hat und man unter keinen Umständen einen Ernteentfall durch einen frostigen Winter riskieren wollte. Darum wurden in diesen Dörfern die Oliven früher sicherheitshalber bereits vor Wintereinbruch, meistens ab Oktober, grün geerntet. Die Ernte war jedoch sehr viel mühevoller, denn es war sehr schwierig, die noch grünen Oliven von den Bäumen zu ernten.

Zusätzlich ist der Ölgehalt in einer noch grünen Olive sehr viel geringer als in einer reifen Olive (grüne Olive: 80% Wasser und 20% Ölgehalt, reife Olive: 20% Wasser und 80% Ölgehalt). Den Bauern war damals weder wichtig noch klar, dass es sich bei der Grünpressung um ein wahres Superfood handelt, denn der Polyphenolgehalt ist hier etwa fünfmal so hoch wie in einem hochwertig gepressten Olivenöl aus reifen Oliven. Wissenschaftliche Studien belegen dies und auch die positiven Auswirkungen auf die Gesundheit nun schon seit vielen Jahren. Leider findet man die Grünpressung heutzutage nur noch sehr selten, da wie bereits erwähnt der Ölgehalt sehr gering und auch die Ernte wahnsinnig aufwendig ist.

Charakteristika und Verwendung der Grünpressung

Durch ihren sehr hohen Polyphenolgehalt weist die Grünpressung einen unverwechselbar markanten Geschmack auf, den man am besten mit einer gewissen Schärfe und einer bitteren Noten beschreiben kann. Gleichzeitig hat die Grünpressung einen sehr frischen und fruchtigen Geschmack. Aufgrund der hohen Qualität sollte man die Grünpressung hauptsächlich frisch verwenden, am besten für Salate oder einen guten Schluck über das fertige Gericht am Teller zu gießen. Das erhält die wertvollen Inhaltsstoffe und verleiht vielen Gerichten nochmal einen ganz tollen zusätzlichen Touch…